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Leben und Studieren im
Land der langen weißen Wolken

Ein Erfahrungsbericht von Hermann Riess


„1. Juli – Flughafen München. Gestresste Touristen, gelangweilte Sicherheitskräfte, mühsame Kontrollen und lange Wartezeiten. Doch all dass bekomme ich nur mehr im Hintergrund mit. Für mich hat die wahre Reise, ein Studium und Leben in Neuseeland, schon längst begonnen.
Die letzten Monate, meist überschattet von allen möglichen Vorbereitungen, Bürokratien und zahlreichen Unsicherheiten sind vergessen. Der Abschied tat schwer doch nun wartet das eigentliche Abenteuer. Ein Traum, den wahrscheinlich viele andere gerne mit mir teilen würden, geht nunmehr in die Realisierungsphase über. Ein Traum, der sicher ein Stückweit mein Leben verändern wird....“

Wenn ich heute diesen mehr als ein Jahr alten Tagebucheintrag lese kann ich mich wieder lebhaft an meine Situation zurückerinnern. Nur zu gut haben sich diese Ereignisse in mein Leben eingebrannt und es verändert.

Rückblende: Ich kann mich noch erinnern als die Idee für ein Auslandsstudium geboren wurde. Es war Sommer, drückend heiß und als gerade maturierter Schüler hatte zu dieser Zeit – richtig, nichts zu tun. Anders als die Mehrheit meiner Klassenkameraden hatte ich meine Zukunft noch nicht vollends verplant. A sieht sich in 6 Jahren schon als Supermanager, B blättert schon im Porschekatalog und C weiß nur eins was er werden will, reich. Na ja, jedem das seine. Mir war jedenfalls klar dass ich es anders machen wollte. Ein Leben lang am selben Ort groß werden, studieren, arbeiten und dann alt werden? Das Abenteuer in einem 2 Wochen Pauschalurlaub kennen lernen? Sich von Neckermann, TUI und Co. die richtige Welt zeigen lassen?

Mir wurde mehr und mehr bewusst, dass wenn ich diese Chance jetzt nicht nütze, ich mir ein Leben lang in den Allerwertesten beißen würde. Noch lebe ich ein Leben ohne feste Bindungen, Verpflichtungen und rigiden Erwartungen. Ich bin frei und kann (nahezu) alles machen zu dem ich Lust habe. Ein Schema F Leben – Nein danke!

Hier kam das Ranke-Heinmann Institut ins Spiel. Nach erster Kontaktaufnahme wurde mir klar, dass meine Chancen gar nicht schlecht sind genommen zu werden. An dieser Stelle möchte ich dem gesamten Ranke-Heinemann Team meinen Dank aussprechen. Ohne deren Hilfe und Beratung wäre ich vermutlich nicht hier. Weiters möchte ich anmerken, dass dieser Dank auf ehrlichen Erfahrungen und nicht auf irgendwelchen Zahlungen beruht. Wäre ich mit dem Service und der Betreuung unzufrieden gewesen täte ich diese Zeilen wahrscheinlich nicht schreiben.

Nach einem ersten screening der Universitäten, meiner Studienleistungen und Erwartungen, kam die eigentliche Hürde: der TOEFL Sprachtest. Gleichermaßen bekannt und gehasst auf der ganzen Welt. Jedem der sich vor so einem Test fürchtet kann ich nur sagen: halb so schlimm. Meine Vorbereitung bestand mehrheitlich aus 2 Test Cds mit Übungen und Practice Tests und dem ansehen von Videos. Die Tests um sich an das Format zu gewöhnen und die Filme um die Listening Comprehension zu meistern. Meine Schulnoten in Englisch waren eher recht als schlecht, aber ich schaffte dennoch 257 Punkte (4,5 Essay) im Test. Man wird dort behandelt wie ein Schwerverbrecher, aber na ja: Abzocke eben. Das Aufnahmekriterium war 213 Punkte. Hollywood und Co. haben doch auch ihre guten Seiten. Der Rest war dann eigentlich nur mehr Formsache. Universität suchen, anmelden, Unterkunft suchen, anmelden, Flug suchen, buchen. Und irgendwann auf einmal sieht man einen rot markierten Tag im Kalender stehen. – Ist das wirklich war?


Doch warum ausgerechnet nach Neuseeland, ans andere Ende der Welt? – Hat man sich einmal für ein Auslandsstudium entschieden dann wird einem diese Frage circa 3-4 mal am Tag gefragt. Was am Anfang noch Spaß macht zu erzählen wird allmählich zur Predigt. Warum Neuseeland also? – Für mich hat Neuseeland schon immer eine Faszination ausgestrahlt. Diverse Dokumentation, Berichte und die eindrucksvolle Geschichte des Landes begeisterten mich schon immer. Eine Landschaft wie sie wilder und abwechslungsreicher kaum sein kann, eine Ureinwohnerkultur, die nicht vollkommen ausgerottet oder assimiliert wurde sowie ein international anerkanntes Studienangebot ließen meine Wahl auf Neuseeland fallen. Australien? – Wäre eine Möglichkeit gewesen, doch nach näherer Betrachtung behielt dann doch Neuseeland die Oberhand.


Mein Ziel war Dunedin, eine kleine Stadt an der Ostküste der Südinsel Neuseelands. Ein Blick in den Atlas lässt erahnen dass es sich nicht gerade um eine Millionenstadt a la Kairo, New York oder Mexiko City handelt. Diese Stadt stellt sodann meine Heimat für die nächsten 2 Jahre dar. Mit einer Einwohnerzahl von circa 120.000 Kiwis und 20.000 Studenten gereicht der Name Universitätsstadt aller Ehre. Und eben diese 20.000 Studenten machen Dunedin zu dem was es ist: Eine wahre Studentenhochburg. Ein Flair den man kaum erahnen oder sich vorstellen kann ohne jemals hier gewesen zu sein. Wien, Zürich und München mögen auch als Studentenstädte gelten, aber hier in Dunedin zentralisiert und fokussiert sich alles und jeder auf die sogenannten scarfies (Schalträger/Studenten). Vom Bäcker bis zum Friseur oder der Autowerkstatt, jeder hat Studentenpreise und Special Deals. Doch auch neben der Universität hat Dunedin einiges zu bieten: Ein nettes Stadtzentrum und allemal sehenswerte Gebäude. Man muss hierbei bedenken dass man Städte wie man sie aus Europa kennt hier nicht vorfinden wird. Einzig und allein Wellington hat den leichten Touch einer europäischen Stadt. Aber mal ehrlich – Neuseeland ist schließlich auch nicht berühmt für seine Städte.
Die meisten Ortschaften und Städte sind grid-cities und eher langweilig, da alles sehr homogen wirkt.

Wen aber schon die Naturdokus und Bildbänder begeistert haben wird von diesem Land begeistert sein. Von Wüste hinzu Gletschern, Vulkanen, Steppen und Regenwald. Neuseeland bietet alles auf kleinstem Raum. Eine Tierwelt die man allenfalls mal im Zoo gesehen hat lebt und zeigt sich direkt vor den Füßen des Betrachters.

Zu schön um wahr zu sein? – Was hier wie eine Lobeshymne a la Lonely Planet klingt ist Realität.

Mit dem einzigen Problem: Wer niemals hier wird es nie verstehen. Wie viele Schigebiete dieser Welt bieten direkten Blick auf Meer? Ein Bad in einem fast 40 Grad heißen Bach, noch dazu gratis, normal? Auf einer Strecke von weniger als 150 Kilometern 3 verschiedene Vegetationszonen, normal?

Genau hier zeigen sich die Vorzüge wenn man in einem Land lebt anstatt es nur zu bereisen. Wer Neuseeland im „Europe in 7 days“ Stil erkundet wird wahrscheinlich ein paar Nette Photos und ein paar Souvenirs nach Hause bringen. Wie aber in den meisten Fällen liegt das richtige Neuseeland liegt fernab der Touristenrouten. Hier zu leben eröffnet einem ganz andere Horizonte und Möglichkeiten. Wer wird einem das Land besser näher bringen können, ein befreundeter Neuseeländer oder der Betreiber eines Backpackerbusses, den nur Zahlen und Partnerverträge interessieren. Ein eigenes Auto ist günstig, da es generell keinen Versicherungszwang gibt und das Fahrzeug auch in einem eher laxen Zustand noch als verkehrstauglich gilt. Wem dies zuviel ist der profitiert hier von einer durchaus guten touristischen Infrastruktur. Bus und Flugverbindungen sind zahlreich und wer früh bucht kommt auch ganz günstig weg. Zu sagen gäbe es noch vieles, aber das überlasse ich dann lieber Lonely Planet, Dumont und Co.


Generell möchte ich noch das Leben in Neuseeland und vor allem das in Dunedin hier erläutern. Wer als internationaler Student nach Dunedin kommt hat die Qual der Wahl wo er/sie leben will. Private Flats, Uni-flats, Studentenwohnheime oder eigens für internationale Studenten geschaffene Wohngemeinschaften.

Bei privaten Wohnungen sei Vorsicht geboten. Viele der Flats sind alt, schlecht gebaut und sauteuer. War früher noch die mieseste Wohnung ein Statussymbol und Indikator für ein gutes Studentenleben, ist heute doch jeder froh über einen gewissen Standard. Generell berappt man rund 90-100 NZD (ca. 50€) pro Woche und das für 52 Wochen. In der Regel teilt man sich dann die Wohnung mit 4-5 anderen Mitbewohnern. Der Substandard der Häuser wird einen Mitteleuropäer leicht erstaunen. Isolierung – Nein. Doppelglas - Nein. Bauweise – Filigran. Lebensweise – Witzig. Speziell das Thema heizen sollte nicht außer Acht gelassen werden. Hier auf der Südinsel kann es im Winter doch sehr frisch werden und zeitweise sogar schneien. Mehr als 95% der Wohnungen heizen mit Strom, der Rest mit Zentralheizung. Wer es also warm haben will muss zahlen, und das nicht zu knapp. Deshalb herrscht in den meisten neuseeländischen Wohnung auch subpolares Klima. Die schottischen Nachfahren lassen Grüßen.

Für unsereins sind Studentenwohnheime eine gute Alternative. Zuerst erscheinen die Preise relativ hoch, doch wenn man bedenkt dass neben der Unterkunft auch Strom und Wasser nichts mehr kosten sowie auch Vollpension inkludiert ist, ist es nicht mehr so schlimm. Der größte Vorteil ist aber, dass man dort jede Menge Kiwis kennen lernt. Die meisten 1-Jahres Studenten leben ein Jahr in einer Hall und suchen sich dann eine Wohnung. Gut bewährtes System. Ich würde daher jedem raten mindestens ein Semester in einer Hall zu verbringen. Dann hat man einen Überblick und ersten Eindruck kann sich in Ruhe entscheiden. Wer will denn ehrlich gesagt schon mit irgendwelchen schrägen Vögeln zusammenleben? Carrington Hall, Knox College und Salmond Hall sind gute Adressen für Internationals.


Das Nachtleben ist ein weiteres interessantes Kapitel. Und an dem fehlt es Dunedin sicher nicht. Dafür sorgen die örtlichen Kneipen, Bars und Lounges und Veranstaltungen. Montags bis Sonntags ist hier etwas los. Neben der OUSA (Otago University Student Association) laden auch die Uni selber und vor allem die diversen Clubs und Gemeinschaften zu Feiern ein. Da kann es schon mal passieren dass im Eifer des Gefecht das eine oder andere Sofa in Brand gesteckt wird (Ein für Mitteleuropäer doch eher ungewöhnlicher Brauch). Speziell die O-Week, die einwöchige Einstandsfeier zu Beginn des Jahres sollte man auf keinen Fall verpassen.

Wer hart feiert muss dann auch Sport treiben. Clubs & Socs, der Sportanbieter der Universität bieten so ziemlich alles an was man sich wünschen kann. Von Astronomie zu Massagekursen, Karate, Maori, Bildhauerei, Kajak, Jetboating hin Boxen oder Fallschirmspringen. Für so ziemlich alles gibt es einen Club oder einen Verein. Zusätzlich besitzt die Uni auch noch ein Fitnesscenter, das jeden Studenten frei zur Verfügung steht.


Zum Ende noch ein ganz besonderer Tipp. Die geographische Nähe zur Südsee ist ein anderer Anreiz für ein Studium in Neuseeland. Wie oft bekommt man im Leben schon die Möglichkeit in wenigen Stunden so günstig nach Fiji, Bora-Bora, Tonga, Samoa oder Rarotonga zu sein? Air New Zealand, Freedom Air und Pacific Blue bieten immer tolle Urlaubsdeals für arme arme Studenten an. Man braucht daher kein Millionär sein um die Südsee zu erleben. Backpacker willkommen...

Ich hoffe mit diesem kurzen Erfahrungsbericht ein bisschen Licht in das Unternehmen Auslandsstudium gebracht zu haben. Bei Fragen – Mails sind gerne gesehen.

In diesem Sinne wünsche ich jedem Studieninteressierten alles gute und toi, toi, toi...

Lebe deinen Traum!


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