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AUSLANDSSEMESTER AN DER UNIVERSITY OF SYDNEY
17.07.03 – 22.11.03

University of Sydney

Die University of Sydney wurde vor 150 Jahren gegründet und zählt heute zu den „Group of Eight“, den Australischen Hochschulen, die sich am stärksten mit der Forschung beschäftigen. An der Universität sind insgesamt 40.000 Studenten in den Fachbereichen Landwirtschaft, Architektur, Kunst, Sprachwissenschaften, Fremde Kulturen, BWL und VWL, Lehramt, Ingenieurwissenschaften, Medizin, Recht, „Koori Centre“ ( Studium der Lebensart der Aborigines), Musik, Biologie, Biochemie, Computerwissenschaften, Geographie, Mathematik, Physik, Psychologie, Veterinär Medizin und visuelle Kunst eingeschrieben.

Die University of Sydney beschäftigt ca. 2250 akademische Kräfte, so dass sich ein Studenten-Professoren-Verhältnis von 1:17 ergibt. Von den 40.000 Studenten sind ca. 5.000 internationale Studenten. 2/3 von ihnen studieren im undergraduate Bereich (undergraduate entspricht ungefähr dem deutschen Grundstudium, Abschluss hier ist der Bachelor), der Rest befindet sich im Hauptstudium (in Australien bedeutet das, dass der Student ein Masterstudiengang absolviert).

In Australien werden Credits anstelle der deutschen Noten vergeben. Das Credit System ist wie folgt aufgebaut:

High Distinction: 85%-100% (erhalten nur die 3-5% besten des Kurses)
Distinction: 75%-84% (die nächsten 15%)
Credit: 65%-74% (die nächsten 35%)
Pass: 50%-64% (nicht festgelegt)

Um als Vollzeitstudent zu zählen muss man mindestens 18 credit points pro Semester absolvieren. Diese Zahl dürfen deutsche Studenten nicht unterschreiten, weil man sonst kein Studentenvisum erhält und auch kein Auslandbafög beantragen kann. Die Anzahl der credits ist von Kurs zu Kurs unterschiedlich und bis man sich durch das riesige Vorlesungsverzeichnis gekämpft hat dauert seine Zeit. Es gibt bereits Kurse mit 4 credits aber auch Kurse mit bis zu 24 credits. Die Anzahl ist abhängig von dem Umfang des Kurses (je höher die Anzahl der credits desto zeitaufwendiger ist der Kurs). Für australische Studenten werden pro Semster 22 bis 24 credits vorgeschlagen. Study abroad Studenten dürfen pro Semester nicht mehr als 24 credit points belegen. Meine Kurse ergaben zusammen 18 credits und ich kann sagen, dass das ausreichend war. Man muß ja immer bedenken, dass in keinster Weise auf uns nicht muttersprachlich englisch sprechenden Studenten Rücksicht genommen wurde. Wir wurden sowohl in den Tutorien, den Vorlesungen als auch in den Klausuren behandelt, als wären wir Australier. In den Final Exams durften wir zwar Wörterbücher verwenden, jedoch war die Zeit so kalkuliert, dass man keine Zeit hatte nachzuschlagen.

Der Aufwand ist nicht zu vergleichen mit einem Semester an der Fachhochschule Koblenz. Hier konzentriert sich alles auf die Klausuren am Ende vom Semester. Ein Studium an der University of Sydney ist wesentlich zeitintensiver. Keiner meiner belegten Kurse beschränkte sich auf ein Final Exam, überall wurde von den Studenten mehr verlangt. Folgende Übersicht zeigt, wie sich die Endnote in jedem meiner Kurse zusammengesetzt hat:

Business and Economic Statistics A
- 2 Quix à 5%
- 2 Essays à 10%
- 1 Midterm exam 15%
- 1 Final exam 65%

Foundations of Human Resource Management
- Tutorial Participation 10%
- Tutorial Presentation 10%
- Essay 1.500 Wörter 30%
- Final Exam 50%

Marketing Research
- TutorialParticipation 15%
- Midtermexam 15%
- Groupwork 3.000 Wörter 30%
- Final Exam 40%

Eigentlich sind wir ja zum studieren nach Sydney gekommen, aber wenn man so am Strand liegt oder durch die Stadt bummelt, vergisst man das schon mal.

Auf dem Foto sieht man das schönste Gebäude der Uni, indem zum Teil noch Vorlesungen gehalten werden. Ein Großteil der Gebäude ist in diesem Stil gebaut, leider gibt es auch ein paar Schandflecken aus den Siebzigern, aber unsere Vorlesungsräume sind zum größten Teil neu erbaut.

Direkt am 21.06. begann unsere Orientation Week. Die war ganz lieb gemeint, man erhielt auch viele Informationen, aber die richtig wichtigen fehlten. Sie wurde speziell für die internationalen Studenten veranstaltet und informierte uns über die Vorlesungspläne, die Lage der Universität, Sicherheitsmaßnahmen und viele alltägliche Dinge.

Der Informationsfluss der Universität war nicht immer der beste, deshalb war unsere Devise: viel ausprobieren und selbst raus bekommen. Jedoch was Vorlesungspläne, Skripte, Notenbekanntgaben und jede Art von Informationen von den Professoren betrifft, war das System der University of Sydney sehr gut. Jeder Student erhielt zu Beginn des Semesters ein Login und ein Passwort. Auf der Universitäts-Webseite konnte sich dann jeder Student auf seine eigene Seite einloggen, auf der seine Kurse aufgeführt waren und er täglich aktualisierte Informationen bezüglich seiner Kurse bekam. Die Skripte für die Vorlesungen wurden online gestellt, so dass die Studenten sie ausdrucken konnten.

Das International House, mein vorläufiges zu Hause für die ersten zwei Wochen, lag direkt auf dem Campus. Nachdem ich dann eine dauerhafte Bleibe gefunden hatte, wurde alles etwas relaxter und man konnte sich in Ruhe einmal zurück lehnen. Die neue Wohnung lag auch direkt am Campus, was unsere Fahrtkosten in Grenzen hielt.

In den Tutorien bestand Anwesenheitspflicht und zum Teil wurde auch die Beteiligung bewertet. Für mich war die schlimmste Erfahrung meine Präsentation im Tutorium. Hierbei handelt es sich ja nicht nur um eine Präsentation, was für die meisten schon schlimm genug gewesen wäre, nein ich musste sie ja auch in Englisch halten. Die Präsentation handelte von der Recruiting Strategie des Global Players McDonalds. Ebenfalls in meinem Personalkurs musste ich einen Essay abgeben über das Thema Entlohnung („Analyse and assess pay based on performance and pay based on the job. Explain the greater use of performance based pay and analyse the arguments for and against each system“). Die Gruppenarbeit im Fach Marketing hatte den Titel „Survey of the awareness of financial planners and the Financial Planning Association of Australia Limited (FPA) with young people”. Zusammen mit einem Australier und zwei Koreanern haben wir einen 30 seitigen Aufsatz zu diesem Thema geschrieben.

Rally – „our education is not for sale !“
Eine Rally ist nicht etwa eine Schnitzeljagd, es ist eine Demo. Nicht genug, dass die Studiengebühren in Australien schon so hoch sind, jetzt ist auch noch geplant sie um 30% zu erhöhen. Das ist aber noch nicht endgültig beschlossen, deshalb haben wir auch dagegen protestiert. Zusammen mit 5.000 anderen Studenten aus Sydney sind wir durch die ganze Stadt gezogen und haben lautstark protestiert.

Australien – so europäisch aber doch anders
Auf den ersten Blick kommt einem hier alles sehr bekannt vor, alle großen Marken sind vertreten und in allen Ecken hört man deutsch. Aber wenn man etwas genauer hinschaut bemerkt man doch den Unterschied.

Die Australier scheinen nie zu frieren, weil es in den meisten Häusern keine „normale“ Heizung gibt. Wenn man Glück hat befindet sich im Schlafzimmer ein kleiner Heizlüfter. Im International House hatte ich Glück, und der Lüfter lief die ganze Zeit. Aber in allen Gemeinschaftsräumen hat man das Gefühl man erfriert. Ich habe noch nie soviel Kaffee getrunken, wie zu Beginn meines Australienaufenthaltes, um mich warm zu halten. Wenn man aus dem Fenster schaut, meint man es müssten draußen 30 Grad sein, aber es ist verdammt kalt. Sobald man in der Sonne steht und kein Wind geht, sind es ungefähr 20 Grad aber wehe wenn nicht. Entsprechend ist die Mode. Im Winter haben wir immer möglichst viele Klamotten übereinander angezogen und bei den Australiern (-innen) war es nicht ungewöhnlich, dass sie mit kurzen Röcken und mit Handschuhen rum liefen. Surfen ist hier ein Ganzjahressport. Im Sommer gibt es nichts Schöneres als bei strahlendem Sonnenschein auf den Wellen zu reiten. Aber bei 10-15 Grad Außentemperatur würde sich kein Europäer ins kühle Nass wagen.

Der nächste gravierende Unterschied: hier herrscht Linksverkehr. Hört sich im ersten Moment gar nicht so problematisch an. „Wir wollen ja kein Auto fahren,“ denkt man sich. Aber es ist gar nicht so einfach hier über die Straße zu gehen. Man guckt nämlich aus dem Gefühl raus immer in die falsche Richtung. Genauso ist es, wenn man zu Fuß unterwegs ist – die Leute gehen links. Und auch die Rolltreppen fahren auf der linken Seite nach oben.

An dieser Stelle sollte man dem deutschen Bildungssystem mal danken, das es einem ermöglicht in Deutschland auch mit einem kleinen Geldbeutel zu studieren. Das scheint hier unmöglich zu sein. Alles aber auch wirklich alles kostet in Sydney sehr viel Geld. Angefangen bei den Studiengebühren und alles was damit zusammen hängt, der öffentliche Nahverkehr (es gibt keine Studentenermäßigung für study abroad students), Bücherausleihen, Essen (es ist eigentlich nicht so teuer, aber es gibt keine Mensa) und das allerwichtigste das Wohnen!!! Ich hätte nicht gedacht, dass das so teuer sein würde. Und welche Standards man hier angeboten bekommt. In Deutschland würden wir in eine solche Wohnung nicht einziehen.
Eigentlich wollten wir alle alleine wohnen, damit wir auch schön viel Englisch lernen. Aber diese Vorstellung hat sich sehr schnell gewandelt als der Officer von der Campus Security uns erzählt hat, wie gefährlich doch der Victoria Park und Redfern Station sei. Also haben Evelyn Hohlbein und ich entschieden, uns zusammen eine Wohnung zu suchen. Super zentral gelegen und trotzdem ein Stück entfernt von Victoria Park. Jetzt zahlt jeder von uns $ 160 pro Woche (ca. 90 €) für ein „möbliertes“ Zimmer. Bad, Küche und Wohnzimmer teilen wir uns mit einem Australier und einem Malaysier. Nachdem wir eingezogen sind haben wir erst einmal einen Großputz veranstaltet, weil der Australier wohl nicht allzu viel von putzen und aufräumen hält.

Sydney

Darling Harbour
Der Bereich um den Darling Harbour wurde erst in den letzten Jahren zum Besuchermagneten. Zuvor war es das Rotlichtviertel von Sydney und die meisten Leute machten einen großen Bogen darum. Zur 200-Jahrfeier Sydneys wurde das Viertel als Austragungsort außerchoren. Heute ist es ein Muss, wenn man Sydney besucht. Hier befinden sich u.a. der Chinesische Garten, Paddys Market, die Messe, das Aquarium und das Marine Museum. Einige Ausflugsbote legen hier ab und es gibt sehr viele Cafes und Bistros. Der Chinesische Garten war schön aber wir waren einstimmig der Meinung, dass wir im Sommer noch mal wieder kommen, wenn alles blüht und grünt.

Bondi Beach
Bondi Beach ist der Strand in Sydney. Trotz 19 Grad Außentemperatur, 16 Grad Wassertemperatur und einem böigen Wind waren im Juli bereits sehr viele Surfer im Wasser. Die Wellen waren super. Selbst wenn man nur bis zu den Knien im Wasser steht und muss man schon aufpassen, dass man nicht umfällt. Genauso wie der Coogee ist der Bondi Beach eingerahmt von Steilküsten. Super schön.

The Rocks
The Rocks ist das älteste Stadtviertel von Sydney. Dort wurden die ersten Häuser von den Engländern erbaut, als sie Australien besiedelten. Diese Häuser sind heute mühevoll restauriert. Am Wochenende findet dort immer ein ganz netter Markt statt. Man kann dort von typischen australischen Lebensmitteln (Chili Souce, Marmalade) bis hin zu Kunsthandwerk und Schmuck fast alles kaufen. Wir haben uns also genug Zeit genommen, um gemütlich darüber zu schlendern.

Institut Ranke Heinemann
Mein Dank gilt dem Institut Ranke Heinemann in Essen. Sie haben kostenlos meinen Studienaufenthalt in Sydney organisiert und jeglichen Schriftverkehr für mich zwischen Australien und Deutschland übernommen.

Trotz alle dem steckte hinter dem Aufenthalt noch sehr viel organisatorischer Aufwand. Ich bin sicher, dass ich meine Zeit in Australien nie vergessen werde. Vielleicht gehe ich ja nach meinem Studium wieder zurück nach Australien.

Dieser Artikel steht auch als PDF Version zur Verfügung (inkl. Bildern).

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