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Ich sitze gerade in der riesigen Bibliothek von RMIT in Melbourne, wie so oft in den vergangenen drei Monaten. Allerdings weniger um zu lernen als vielmehr um das Internet zu benutzen und mit meinen alten Freunden zuhause zu skypen oder mit meinen neuen Freunden hier zu chatten und zu besprechen, wo wir heute zum lunch hingehen. Außerdem kann man die Zeit zwischen seinen „lectures“ oder „tutorials“ so effektiv nutzen, und sich über die vielen clubs, tours and activities zu informieren, die RMIT zu bieten hat. Oder vielmehr die Studenten, denn RMIT lebt von dem Engagement und dem Interesse der Studierenden.

Es herrscht ein unglaublich vielfältiges Angebot an allen möglichen Clubs, z. B Sprachen, Kunst oder Politik, sehr viele Sportangebote von Tischtennis über Basketball und auch Trips und Tours werden veranstaltet, um den internationalen und einheimischen Studenten die nähere Umgebung zu zeigen. Mein Highlight ist der „outdoor club“, auch wenn ich es zeitlich nicht geschafft habe etwas mit Ihnen zu unternehmen, die „beginners mountainbiking tour“ wortwörtlich ins Wasser gefallen ist und der Windsurfing Trip aus Mangel an Autos verschoben wurde, sind alle Leute dort ziemlich cool drauf und es gibt jede Menge Aktivitäten und vergünstigen Eintritt zur Kletterhalle gleich neben der Uni. Ein eigenes

Fitness hat die Uni auch, mit momentan 40 Dollar pro Monat ist es nicht zu teuer, aber man muss sich für vier Monate verpflichten und so habe ich lieber das Angebot des Fitness bei mir um die Ecke in South Yarra wahrgenommen, und mich im „South Yarra Sports Centre“ einen Monat lang für 50 Dollar gegen Ende des Semesters durch „Bootcamps“ und „Pump and Tone“ und „Spinning“ gekämpft.

Die „library“ hier ist übrigens auch der Ort, an dem wir immer alle zusammentreffen ohne uns
verabreden zu müssen. Wir, das ist die Gruppe von Freunden die ich hier gefunden habe und sie sind genauso internationale Studenten wie du (hoffentlich) und ich.

Ganz entgegen der kulturellen Clusterbildung habe ich Freunde aus Süd-Korea, Japan, USA und Schottland gefunden, mit denen ich am Anfang Melbourne erkundet habe, eine Camping Tour unternommen habe, am Strand war, Appartements angeschaut, Wein aus einer Box und Bier aus den hier üblichen „Jugs“ geteilt habe.

Ich habe sie und andere wirklich tolle Menschen während der dreitägigen Orientierungswoche kennen gelernt, die hier für internationale Studenten Pflicht ist und sich wirklich lohnt. Nicht nur, weil man kulinarisch direkt mit dem typischen Essen in Melbourne versorgt wird, das aus „Pie Face“, Sandwiches und Obst vom „Victoria Market“ stammt, sondern man lernt wesentliche Sachen, sowohl über die Universität, das Studium und auch über das Leben in Australien und Melbourne. Es ist ein prima Einstieg sich und sein Leben zu organisieren und macht sich bereit für den Start in das Semester, das im übrigen wirklich viel, viel, viel zu kurz ist. Ich bin habe vor zwei Tagen nach 12 Wochen mein Studium hier beendet.

Jetzt gibt es noch über einen Monat lang die Prüfungsphase, aber ich habe keine Kurse gelegt, in denen ich eine Prüfung ablegen muss. Sehr praktisch, dafür hatte ich aber auch in drei Kursen jeweils drei Essays abzugeben. Am Anfang hatte ich, wie es hier üblich ist, vier Kurse gewählt, da ein Vollstudium hier aus vier Kursen besteht, da ich aber nicht als Austauschstudent, sondern über study abroad hier gelandet bin, konnte ich ohne Probleme auf drei Kurse mein „study load“ auf drei Kurse kürzen. Denn ich habe schnell gemerkt das vier Kurse doch heftig sind. Mit drei Kursen hatte ich im Durchschnitt ein Essay pro Woche zu liefern und mit Recherche, das Essay schreiben und im „study and languare centre“ kontrollieren lassen, bevor ich es einwerfe, dauert es schon seine guten vier bis fünf Tage.Und da ich zwar hauptsächlich aber nicht nur zum studieren hergekommen bin, habe ich es etwas gelassener angehen lassen und mir die Wochenenden frei halten können.

Die Professoren sind wahnsinnig toll, kompetent und hilfsbereit. Immer per Email zu erreichen und zwei meine Kurse bestanden aus fünf und zwölft anderen Mitstudienerden. Ich studiere Zuhause Kommunikationswissenschaft und habe hier für Philosophie, Writing-Non-Fiction und Introduction To Australien Society gewählt, ein Kurs extra für Internationale Studenten und wirklich eine sehr gute Wahl! Es gibt eine Unmenge an Kursen und die Auswahl fällt wirklich schwer aber ich bin mit meiner ganz zufrieden. Lasse mir alles als freie Wahlfächer anrechnen. Wenn die Noten stimmen, den so wirklich Rücksicht oder Extras wird auf Internationale Studenten in den Kursen nicht gelegt. Auch wenn die Professoren wissen das englisch nicht die Muttersprache ist, legen sie wert darauf dass man sich eingliedert, freudig diskutiert und in die Gruppe einfügt.

Wer es zeitlich und finanziell aufbringen kann, der sollte unbedingt ein Jahr hier verbringen!
Nicht nur weil sich der ganze Aufwand dann lohnt und viele Angebote meist über ein Jahr gehen oder für ein Jahr billiger sind (Mitgliedschaften, Verträge etc.) es gibt einfach so viel zu sehen und erleben, ich bekommen jetzt schon Fernweh wenn ich daran denke das ich in 3 Monaten komplett aus Australien weg bin. Die Möglichkeiten hier sind einfach überwältigend !

Erwähnen will ich allerdings die Kosten, das ich zwar wusste das alles teurer ist, aber nicht so teuer ! Ich bezahle 180 Dollar pro WOCHE für ein Zimmer in einem Haus mit drei anderen Leuten, das sind 130 Euro pro Woche. Das ist noch relativ preiswert und mit der „tram“ nur zehn Minuten von der Uni und damit dem Melbourne CBD, der Innenstadt, entfernt. Allerdings gewöhnt man sich nach einiger Zeit an die Preise und auch falls man sich hier einen Job suchen möchte, verdient man entsprechend mehr. Auch weiß man nach einiger Zeit wo die billigeren Bars sind und wo der „Aldi“ ist. Nämlich direkt bei der Uni und neben meinem Haus in Richmond, „Chinatown“ ;)

Ich habe mir keinen Job gesucht, da ich dafür ein Semester viel zu kurz finde und auch nächste Woche schon mit dem Reisen anfangen werde. Ich bin gespannt, was da so alles auf mich zukommt und welche Klischees sich mit bestätigen werden. Eins ist ja, das alle Australier so freundlich sind – und es stimmt! Hier sind wirklich alle unglaublich nett, hilfsbereit und aufgeschlossen. Eine Ausnahme gibt es: Taxifahrer. Aber das ist wohl das gleiche überall auf der Welt und betrifft mich auch nur, weil ich mir ein recyceltes Fahrrad geleistet habe und Taxifahrer grundsätzlich viel zu nah überholen. Bei „BIC Bikes“ bekommt man gute Räder von 100 bis 200 Dollar und verkaufen ist auch nicht schwer. Meins habe ich schon vor meiner Abreise meiner Mitbewohnerin versprochen. Damit kann man dann in der Stadt fahren (wie gesagt, sofern man sich gegen Taxifahrer durchsetzen kann), an den 30 Minuten entfernten Strand im schönen St,KIlda oder einen der vielen „trails“ nehmen, die es hier gibt. Besonders schön und nah ist der „Yarra Park“ mit seinen eigenen trails für
Mountainbiker.

Natürlich organisiert der RMIT outdoor club auch Touren. Wer kein eigenes Bike hat, kann sich von Ihnen sogar ein leihen. Ich kann von Melbourne wirklich einfach nur schwärmen . Ich weiß, ich werde wiederkommen und versuche, mir hier etwas aufzubauen weil ich mich in diese Stadt und in dieses Land verliebt habe. Auch wenn es im Winter, der von Juni bis Oktober geht, wirklich nicht sehr warm ist. Zu Beginn brauchte ich sogar eine Heizung! Aber bei so viel Regen, der teilweise zwei, drei Tage angedauert hat, kann man sich umso besser in der Bibliothek einnisten und an seinen „assignments“ arbeiten. Da die Bibliothek auch unter der Woche bis Mitternacht geöffnet hat, findet man hier immer jemanden den man kennt und der sich gerne mit einem Kaffee von studieren ablenken lässt. Winter in Melbourne fühlt sich an wie ein kalter Frühling in Deutschland, aber so sehr wie die Menschen hier den kurzen Winter verabscheuen, ahnt man, das es im Sommer ganz anders ist. Und es stimmt, es ist hier angenehm warm zur Zeit, Mitte Oktober, und der gelegentliche Regen wird gerne als Abkühlung begrüßt.

Auf gar keinen Fall sollte man seinen Rückflug zu früh buchen! Ich freue mich schon sehr auf mein Weihnachten am Strand hier und alle die ich kenne, haben ihre Flüge umgebucht und aus so spät wie möglich gelegt. Es ergeben sich einfach so viele Möglichkeiten und Kontakte hier, das man sich am Ende gar nicht entscheiden kann, was man denn eigentlich noch alles hier so machen möchte weil es so viel zu entdecken gibt hier im wunderbaren
Australien.

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